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2. February 2012Tutorial

Circus Insane

circusinsane_vorhernacher.jpg

Hier kommt das lange geplante How-To zur Entstehung eines der Bilder aus der Serie Circus Insane. Zur Entstehung des Fotos kann ich mich nicht langwierig auslassen und so bleibt ein wenig mehr Platz zur Dokumentation der Bildbearbeitung. Ein paar Infos zum Shoot kann ich aber dennoch kurz geben.

circusinsane_aufbau.jpg

Als weißen Bildhintergrund verwende ich auch hier ein lichtundurchlässiges Rollo von IKEA. Das gibt es in vielen Größen, es ist robust und mit viel Glück günstig in der dortigen Fundgrube abzugreifen. Ich meine für das weiße Rollo in den Maßen 2m x 2m nur 10€ bezahlt zu haben, da die Halterungen fehlten. Für das Geld findet man nirgends einen brauchbaren Fotohintergrund in der Größe, der sich so flexibel verwenden lässt.
Geblitzt wurde durch per Funk ausgelöste Kompaktblitzgeräte, vor die jeweils zwei mit weißem Stoff bespannten Schranktüren gestellt wurden, um das Licht weicher und großflächiger zu bekommen. Auch hier gilt die Devise Do it yoyurself, denn zwei 2m große Softboxen hätten , wie auch der Fotohintergrund, ein nicht zu verachtendes Loch in die Geldbörse gerissen und ehrlich gesagt fehlt mir dafür momentan nicht nur das nötige Kleingeld, sondern auch ganz einfach der Platz ;)
Ein verkehrt herum angezogenes Oberteil eines Judo-Anzugs wurde kurzerhand zur Zwangsjacke umfunktioniert und dem Model eine Karnevalsperücke aufgesetzt. Mit ein, zwei Testfotos lassen sich nun die benötigten Kameraeinstellungen finden und nicht einmal zehn Minuten nach Aufbaubeginn kann man loslegen.

Was wurde denn nun an dem Foto getan? Ins Auge springen höchstwahrscheinlich zunächst einmal die retuschierte Stirn und eventuell die Augen. Sehr für die Bildstimmung verantwortlich sind zudem Kontraste und Farbgebung, sowie der Bildhintergrund.
Fotografiert wurde im RAW-Modus und daher beginne ich mit der Arbeit auch direkt im RAW-Konverter, um das Foto für die späteren Bearbeitungsschritte optimal vorzubereiten.

circusinsane_korrekturpinsel.jpg

Die Sättigung wurde geringfügig heruntergeregelt und Schattenpartien aufgehellt, die größte Bildwirkung, bzw. Änderung lässt sich aber mittels des Korrekturpinsels erzielen. Der Vorteil liegt darin, Änderungen nur auf bestimmte Bereiche anwenden zu können; und dies auch mehrfach. Wie zu erkennen, liegt ein Pin auf den Augen. Hier wurden die Pupillen aufgehellt. Zwei weitere Pins finden sich auf der Kleidung. Auf den gesamten Körper wurde eine Maske gelegt und der Regler für die Klarheit auf 100% gezogen. Da die Wirkung nach einmaliger Anwendung nicht ausreichend war, wurde das Prozedere einfach mittels eines zweiten Bearbeitungspunktes wiederholt. Zu achten ist lediglich darauf, mit dem Pinsel die direkten Randbereiche des Körpers nicht zu „bemalen“, da sich der dunkle Saum um den Körper ansonsten auch extrem verstärkt hätte, was nicht gewollt ist. Hier das Vorher-Nachher aus der RAW-Entwicklung:

circusinsane_raw.jpg

Das Ergebnis gefällt mir bereits recht gut, allerdings sollte die Perücke nicht als solche zu erkennen sein und auch der Look sollte noch ein wenig verändert werden. Um die bereits vorhandenen Kontraste fürs erste wieder zu entfernen, wurde der Filter Tiefen/Lichter angewendet, mit dem man dunkle Bereiche aufhellen und helle abdunkeln kann. Das Ergebnis ist ein relativ „plattes“ Bild, das sich aber prima für die weitere Bearbeitung eignet.

circusinsane_tl.jpg

Nun wird es zumindest ein wenig kniffeliger, denn es geht an die Bearbeitung der Stirn. Da die Form erhalten bleiben und lediglich die „Struktur“ verändert werden soll, müssen zunächst die Beulen im Gummi entfernt werden, da sie später „durchgeschienen“ hätten. Mit dem Ausbessern-Werkzeug lassen sich die Stellen markieren und durch glatte Bereich im Gummi ersetzen. Das Ergebnis ist eine „gesunde“, beulenfreie Kopfpartie. Das Gummi der Perücke soll anschließend mit Haut überlagert werden, wozu sich die Ebenenmodi in Photoshop hervorragend eignen. Genügend blanke Haut kopierte ich mir aus dem Brustbereich des männlichen Models dieser Serie, schob sie einfach über das Gummi und änderte den Ebenenmodus der Haut auf Hartes Licht. Die Verwendung von Ebenenmodi hat den Vorteil, dass die neue Ebene mit der Haut geschickt über den bestehenden Kopf gelegt wird. Helligkeitsinformationen die für den Betrachter die Form erkennbar machen, bleiben so erkennbar.

Es fällt auf, dass weder Farbton noch Helligkeit der neuen Haut zum Rest passt. Da die Haut die darunterliegende Gummistruktur ja aber nur überlagert, müssen Farb- und Helligkeitsänderungen nicht auf der Haut, sondern auf der Perücke durchgeführt werden. Mittels einer Einstellungsebene Tonwertkorrektur lässt sich die mittlere Helligkeit regeln und eine Einstellungsebene „Farbbalance“ ermöglicht das Anpassen des Hauttons. In diesem Fall wurde das Gummi abgedunkelt und der leichte Farbstich durch Korrektur der Mitten und Lichter in Richtung Cyan entfernt. Beide Einstellungsebenen erhalten eine Ebenenmaske, mittels derer die Wirkung lediglich auf den Gummibereich der Perücke angewendet wird, indem man die Maske schwärzt und anschließend mit einem weißen Pinsel die Bereiche „freimalt“, in denen die Einstellungsebene greifen soll. Verknüpft man nun die Ebene mit der neuen Kopfhaut mittels Schnittmaske mit den Ebenenmasken, die bereits eine Maske besitzen, so braucht man die neue Haut nicht zurechtschneiden. Sie ist nur in dem Bereich zu sehen, den man vorher „freigemalt“ hat – sprich auf dem Gummi der Perücke.

Da nun das Gummi „ersetzt“ wurde, muss eigentlich nur der Übergang von Haut zu Perücke wegretuschiert werden – auch hier lässt sich gut mit dem Ausbessern-Werkzeug arbeiten. Was jedoch stört, ist, dass der Kopf durch die Perücke ein wenig in die Länge gezogen scheint. Der obere Kopfbereich muss also nach unten gezogen werden, um wieder vernünftige Proportionen zu erhalten. Dies geschieht zunächst einmal grob, indem man mit dem Auswahllasso den Bereich der Perücke grob markiert, kopiert und anschließend so weit verschiebt, dass das Ergebnis normal aussieht. Anschließend lässt sich die „neue“ Stirn mittels Ebenenmaske so ein- und ausblenden, dass man die Kopie nicht bemerkt. Wer ein Grafiktablett besitzt, ist vor allem im Bereich der Haare im Vorteil, da man dort schwungvoll auf der Maske malen kann.

circusinsane_kopf.jpg

Wichtig für die letztendliche Bildaussage und nun noch fehlend sind die blutigen Handabdrücke im Hintergrund. Sie machen das Bild noch ein weniger verrückter; geben dem Betrachter möglicherweise einen weiteren Hinweis auf die geistige Konstitution des Clowns, liefern einen Grund für die Zwangsjacke UND sie zeigen symbolisch die Hände, die man dank der Zwangsjacke ja nicht mehr sieht.

circusinsane_haende.jpg

Sie werden aus einem anderen Foto ausgeschnitten und durch Verwendung des Ebenenmodus Lineares Licht in unserem Bild eingeblendet. Das funktioniert gut, da der Hintergrund aus dem Foto mit den Händen fast weiß ist. Bereiche, in denen die Hände oder deren Blut das Model überlagern, können mittels Radiergummi entfernt oder besser mit einer Ebenenmaske ausgeblendet werden. Die Ebenenmaske ist sinnvoller, da Bereiche so auch wieder sichtbar gemacht werden können, falls die Hände später doch noch verschoben werden sollen.

Abschließend erhält das Bild seinen finalen Look. Die Tönung erzeuge ich mittels zwei Ebenen Farbbalance und der Kontrast wird durch eine Einstellungsebene Schwarzweiß im Ebenenmodus Weiches Licht extrem gepusht. Hier lohnt es sich, mit den bereits vordefinierten Werten des Filters ein wenig herumzuspielen. Mir persönlich hat der Infrarotfilter am meisten zugesagt.

circusinsane_look.jpg

 

 

 

2. January 2012Artikel

Hier gehört ein Titel hin!

Genauso wie hier Inhalt hinein gehört. Zwar habe ich mich im letzten Monat mit einer sehr speziellen Bildserie auseinandergesetzt und konsequent wäre es, dazu ein MakingOff zu schreiben ... ne, aber irgendwie nicht jetzt.
Wieder ist ein Jahr rum und mancher mag im Angesicht dessen laut in Jubel ausbrechen - ob dies nun aus Freude am Feiern oder aus Freude darüber, 2011 endlich hinter sich lassen zu können, passiert, ist jedem freigestellt. Ich habe mir dieses Silvester einfach mal gar nichts gedacht ;)
Nichtsdestotrotz ist der Jahreswechsel Anlass für einen Rückblick. Was ist im letzten Jahr eigentlich passiert?

Zunächst wollte ich diesen Zeitpunkt nutzen und die Bilder zeigen, die mir 2011 viel bedeuteten. Ich hätte zu jedem Bild etwas berichten können, die verschiedenen Aspekte betrachtet, warum gerade dieses Bild für mich persönlich und natürlich auch aus fotografischer Sicht ein Highlight, einen Schritt nach vorne darstellt etc.. Wollte ich dann doch nicht. Einfach, weil ich ungern Bilder mehrfach zeigen möchte. Eine neue Idee musste also her.
Da in meiner Galerie eine Sektion für Streetphotography bisher fehlt, wäre eine Option gewesen, Bilder von der "Straße" hier zu zeigen, die ich im Laufe des vergangenen Jahres gemacht habe. Die entsprechenden Fotos wurden also in Photoshop geladen, verkleinert und abgespeichert und was soll ich sagen? Irgenwie langweilen sie mich - ja, das gebe ich ganz offen zu. Ist halt so!

Also habe ich weiter das Archiv bisher unsortierter Bilder durchforstet und bin dabei auf ein paar Bilder gestoßen, die mich irgendwie festgehalten haben. Es sind keine großartigen Bilder in diesem Sinne aber ich habe sie eine ganze Weile betrachtet, bis mir das warum bewusst wurde. 2011 hat mir sehr deutlich gezeigt, dass man etwas gründlich aus verschiedenen Perspektiven betrachten sollte - wenn möglich sogar auf gänzlich unterschiedliche Arten. Dies kann zur Folge haben, dass Objekte und Situationen sich scheinbar verändern - die Bildaussage kann differieren. Und es ist gut, dass sie das kann. Ausgezeichnet sogar, ansonsten hätten wir uns an den meisten Motiven langsam satt gesehen.

wald3.jpg

Macht man einen Waldspaziergang, dann knipst man früher oder später auch mal solche einfachen Dinge. Es sind die Details, das, was - neben dem Geruch und den vielen Geräuschen - die Atmosphäre liefert. Kleinigkeiten, die ihren Teil zum Ganzen beitragen. Unglaublich wichtig, denn ohne sie gäbe es kein Ganzes. Aber meistens reden wir doch vom Ganzen; dem Wald an sich.

wald1.jpg

Und was, wenn ich nun feststelle, dass nichts davon den Wald so zeigt, wie er ist? "DAS hier ist der Wald!", behaupte ich und alle machen große Augen und ich höre nur ein undefiniertes "Häääh?"

wald2.jpg

Wir sehen drei komplett unterschiedliche Arten sich mit dem Motiv Wald auseinanderzusetzen. Keine ist falsch, keine ist richtig - zumal es das in der Fotografie wohl eh nicht gibt. Die Bilder unterscheiden sich in ihrer Art jedoch extrem. Was letztendlich jedoch wirklich zählt ist doch aber eigentlich nur, dass wir uns am Ende einig sind. Wir sehen einen Wald! Irgendwie...

In diesem Sinne, frohes Neues...

 

 

 

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